Jedes ATEX- oder IECEx-zertifizierte Smartphone weist eine dichte Folge aus Zahlen, Buchstaben und Symbolen auf, die auf sein Gehäuse aufgedruckt ist. Für den Laien sieht dies wie eine zufällige Seriennummer oder Fachjargon aus der Fertigung aus. Aus diesem Grund achten viele Betriebsleiter lediglich auf das Wort „zertifiziert“ und gehen davon aus, dass das Gerät für ihre jeweilige Anlage sicher ist.
Diese Annahme kann äußerst gefährlich sein.
Eine ATEX-Kennzeichnung ist nicht nur ein Gütesiegel, sondern eine äußerst spezifische technische Zusammenfassung, die genau festlegt, wo ein Gerät sicher betrieben werden kann und wo nicht. Zwei Smartphones können beide rechtmäßig zertifiziert sein, dennoch könnte eines davon eine Explosion auslösen, wenn es in den falschen chemischen Bereich gebracht wird.
Bei Atexxo Manufacturing entwickeln wir nicht nur explosionsgeschützte Gehäuse – wir helfen Betrieben auch dabei, genau zu verstehen, welche Schutzmaßnahmen sie einsetzen. Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Verständnis dieser wichtigen Sicherheitskennzeichnungen.
Aufschlüsselung der Zertifizierungszeichenfolge
Betrachten wir eine typische Zertifizierungszeichenfolge für Zone 1, wie sie auf einem von Atexxo umgerüsteten Smart-Gerät zu finden ist: II 2G Ex ia IIC T4 Gb.
Auch wenn es kompliziert aussieht, lässt sich die Zeichenfolge logisch von links nach rechts lesen und umfasst den Industrietyp, die Gefahrenzone, die technische Schutzmethode, die chemischen Gruppen und die maximale Temperatur.
Um genau zu sehen, wie diese Variablen zusammenwirken, können Sie unseren interaktiven Decoder unten nutzen, um verschiedene ATEX-Zeichenfolgen zusammenzustellen und zu übersetzen:
Festlegung Ihrer Gerätegruppe und Ihrer Betriebszone
Der erste Teil der Kennzeichnung gibt die allgemeine Branche sowie die spezifischen physikalischen Zonen an, für die das Gerät zugelassen ist.
- Gerätegruppe (II): Die römische Ziffer II gibt an, dass das Gerät für oberirdische Industriezweige wie Raffinerien, Chemieanlagen und Offshore-Bohrinseln ausgelegt ist. Die Gruppe I ist ausschließlich für den Untertagebau vorgesehen, in dem Kohlenstaub und Methan vorhanden sind.
- ATEX-Kategorie (2): Diese Nummer entspricht direkt der Betriebszone. Kategorie 1 gilt für ständige Gefahren (Zone 0/20). Kategorie 2 gilt für gelegentliche Gefahren (Zone 1/21). Kategorie 3 gilt für seltene Gefahren (Zone 2/22).
- Umgebungsart (G oder D): Der Buchstabe „G“ steht für brennbare Gase, Dämpfe oder Nebel. Der Buchstabe „D“ steht für brennbaren Staub. Wenn ein Gerät mit „2G“ gekennzeichnet ist, ist es für Gas in Zone 1 zertifiziert, jedoch ausdrücklich nicht für Umgebungen mit brennbarem Staub zugelassen.
Grundlagen der Schutzmaßnahmen
Der nächste Abschnitt, der in der Regel mit „Ex“ beginnt, definiert die technische Philosophie, mit der verhindert wird, dass das Gerät Funken bildet. Bei tragbaren Smart-Geräten ist die wichtigste Methode die Eigensicherheit (Ex i), bei der die elektrische Energie so begrenzt wird, dass sich physikalisch keine Funken bilden können.
- Ex ia: Die höchste Schutzstufe. Das Gerät bleibt auch dann sicher, wenn zwei voneinander unabhängige interne Fehler gleichzeitig auftreten.
- Ex ib: Ein hohes Schutzniveau, bei dem das Gerät auch bei einem internen Fehler sicher bleibt. Dies entspricht vollständig den Anforderungen für den Standardbetrieb in Zone 1.
Umgang mit Gasgruppen und Abwärtskompatibilität
Der Energiebedarf für die Entzündung von Gasen variiert stark. Die Kennzeichnung der Gasgruppe gibt Auskunft darüber, in Gegenwart welcher Chemikalien das Gerät sicher betrieben werden kann.
- Die Gruppe IIA umfasst Gase wie Propan.
- Gruppe IIB umfasst Gase wie Ethylen.
- Gruppe IIC umfasst hochflüchtige Gase wie Wasserstoff und Acetylen.
Die Gruppe IIC steht für die höchste Gefahrenstufe. Wenn Sie ein für IIC zugelassenes Gerät einsetzen, ist dieses vollständig abwärtskompatibel mit IIB- und IIA-Umgebungen. Die Standardisierung auf Hardware der Gruppe IIC ist der beste Weg, um zu verhindern, dass jemand versehentlich das falsche Mobiltelefon in einen Bereich mit hoher Explosionsgefahr mitnimmt.
Das Missverständnis bezüglich der Temperaturklasse
Die Temperaturklasse (T-Klasse) definiert die absolute maximale Oberflächentemperatur, die das Gerät unter Fehlerbedingungen erreichen darf. Die goldene Regel lautet, dass diese Oberflächentemperatur unter der Selbstentzündungstemperatur der umgebenden Gase bleiben muss.
Hier liegt das größte Missverständnis: Eine T1-Einstufung ist nicht sicherer als eine T6-Einstufung.
- Ein T1-Gerät darf laut Vorschrift eine Temperatur von 450 °C erreichen – das ist heiß genug, um die meisten industriellen Lösungsmittel sofort zu entzünden.
- Bei einem T6-Gerät ist die Oberflächentemperatur streng auf maximal 85 °C begrenzt.
Daher bedeutet eine höhere T-Zahl eine niedrigere Oberflächentemperatur, was die Sicherheit erheblich erhöht. Die meisten Atexxo-Umrüstungen für Zone 1 verfügen über die Einstufung T4 (begrenzt auf 135 °C), wodurch die überwiegende Mehrheit der üblichen Umgebungen in der Öl-, Gas- und chemischen Verarbeitung sicher abgedeckt ist.
Eine kurze Checkliste zur Überprüfung Ihres Standorts
Bevor Sie ein explosionsgeschütztes mobiles Gerät anschaffen, sollten Sie sich nicht darauf beschränken, lediglich das grundlegende ATEX-Zertifikat zu überprüfen. Führen Sie stets diese einfache dreistufige Überprüfung durch:
- Stellen Sie einen Abgleich zwischen Zone und Kategorie her (z. B. indem Sie sicherstellen, dass in einem Bereich der Zone 1 ein Gerät der Kategorie 2 zum Einsatz kommt).
- Passen Sie die Gas- und Staubgruppen an das spezifische Chemikalieninventar Ihrer Anlage an.
- Überprüfen Sie Ihre thermischen Sicherheitsmargen, indem Sie sicherstellen, dass die T-Klasse des Geräts deutlich unter der niedrigsten Selbstentzündungstemperatur an Ihrem Standort liegt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen den Schutzkonzepten „Ex ia“ und „Ex ib“?
Beides sind Verfahren zur Eigensicherheit. Ex ia stellt die höchste Stufe dar und ist so ausgelegt, dass die Sicherheit auch dann vollständig gewährleistet bleibt, wenn zwei voneinander unabhängige elektrische Fehler gleichzeitig auftreten. Ex ib ist so ausgelegt, dass die Sicherheit auch bei einem einzelnen Komponentenfehler gewährleistet bleibt; diese Schutzart ist für den Standardbetrieb in Zone 1 vollständig zugelassen und sicher.
Warum ist die Temperaturklasse T6 sicherer als die Temperaturklasse T1?
Temperaturklassen definieren die maximale Oberflächentemperatur, die ein Gerät erreichen darf. Ein T1-Gerät darf gesetzlich bis zu 450 °C erreichen. Ein T6-Gerät ist streng auf 85 °C begrenzt. Da sich viele flüchtige Gase bereits bei niedrigeren Temperaturen entzünden, bietet ein kühleres Gerät (T6) einen wesentlich umfassenderen Schutz vor unbeabsichtigter Entzündung.
Kann ein Gerät, das lediglich mit „2G“ gekennzeichnet ist, in einer Umgebung mit brennbarem Staub eingesetzt werden?
Nein. Das „G“ weist ausdrücklich darauf hin, dass die Hardware ausschließlich auf brennbare Gase, Dämpfe und Nebel geprüft wurde. Um einen Bereich mit brennbarem Staub (wie beispielsweise eine Fräsanlage der Zone 21) sicher betreten zu können, muss die ATEX-Kennzeichnung ausdrücklich ein „D“ enthalten (z. B. 2D oder 2G/2D).